In den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der Begriff «Burnout» erstmals für berufsbedingtes seelisches Leiden verwendet. Heute sprechen Fachleute im Zusammenhang mit dem Burnout-Syndrom auch von einem psychovegetativen Erschöpfungszustand. So unterschiedlich die verwendeten Definitionen auch sind – alle Ansätze betonen den Faktor der kontinuierlichen emotionalen Belastung am Arbeitsplatz und ihrer fatalen Folgen.
Wie kommt es zu einem Burnout?
Für die Entstehung eines Burnouts sind sowohl personale wie auch situative Faktoren ausschlaggebend.
Situative Faktoren, die ein Burnout begünstigen
- Schlechte Arbeitsorganisation
- Mangel an positivem Feedback
- Arbeitsklima, das von Druck und Ängsten dominiert wird
- Mobbing
- ungünstige oder unklare Vertragsbedingungen
Personale Faktoren, die ein Burnout begünstigen
- Hang zum Perfektionismus
- überhöhte Erwartung an persönliche Leistungsfähigkeit
- Hang, die eigenen Leistung abzuwerten
- starke Abhängigkeit von der Anerkennung durch andere
- Nichtbeachtung von körperlichen Warnsymptomen
Gefährdete Personen sind bei der Arbeit (freiwillig) stets länger anwesend als vorgesehen, haben oft das Gefühl, unentbehrlich zu sein und fühlen sich während und nach der Arbeit gefühlsmässig verschlissen. Meist werden Misserfolge und Frust verdrängt und eigene Bedürfnisse völlig vernachlässigt.
Wie Burnout gefährdet bin ich?
Die folgende Checkliste kann Ihnen bei einer ersten Analyse Ihrer Arbeitssituation behilflich sein. Je mehr Fragen Sie bejahen, um so grösser ist Ihr Risiko für ein Burnout.

- Haben Sie für Ihre Arbeit oft zu wenig Zeit zur Verfügung?
- Machen Sie freiwillig sehr viele Überstunden?
- Haben Sie Mühe, von der Arbeit abzuschalten?
- Haben Sie den Eindruck, unabkömmlich und unersetzlich zu sein?
- Halten Sie Ihre eigenen Bedürfnisse für unwichtig?
- Haben Sie lediglich durch Ihre Arbeit Kontakt zu anderen Menschen?
- Neigen Sie dazu, Misserfolge und Enttäuschungen zu verdrängen?
- Müssen Sie fürchten, Ihre Stelle zu verlieren?
- Fühlen Sie sich von Ihren Aufgaben oft überfordert?
- Sind die Arbeitsanweisungen, die Sie erhalten, oft unklar?
- Wissen Sie oft nicht genau, welche Aufgaben in Ihren Verantwortungsbereich fallen?
- Bekommen Sie selten positives Feedback von Mitarbeitenden und Vorgesetzten?
- Herrscht an Ihrem Arbeitsplatz eine Atmosphäre der Konkurrenz?
Welches sind die Anzeichen für ein Burnout?
Warnsignale für ein Burnout sind rasche Ermüdung und Erschöpfung, die sich nicht durch die üblichen Erholungszeiten (Freizeit, Urlaub) kompensieren lassen, Gereiztheit und Ungeduld anderen gegenüber sowie starke Zweifel an der eigenen Arbeit.
Bei einem Burnout gehen der anfängliche Idealismus und das Engagement für die eigene Tätigkeit verloren. Die Energiereserven sind aufgebraucht. Es kommt zu emotionaler Leere, Lustlosigkeit und Motivationsmangel.
Die emotionale Erschöpfung zeigt sich besonders stark im Umgang mit den Mitmenschen am Arbeitsplatz. Es kommt zu stark distanzierten, negativen oder zynischen Reaktionen. Höhe und Tiefen im beruflichen Alltag werden nicht mehr differenziert wahrgenommen.
Wie wird ein Burnout diagnostiziert?
Ein Burnout ist schwer von anderen Problemkreisen abzugrenzen. Es tritt zwar häufig eine typische Kombination von Symptomen auf, die einzelnen Symptome sind jedoch nicht ausschliesslich bei einem Burnout zu finden. Es finden sich zahlreiche Überschneidungen mit depressiven Erkrankungen und gewissen Angststörungen.
Typisch für ein Burnout sind die Tatsachen, dass der Zustand über mehrere Monate unverändert anhält bzw. sich kontinuierlich verschlechtert und dass die Ursachen fast ausschliesslich am Arbeitsplatz zu lokalisieren sind.
Wenn Sie den Verdacht haben, an einem Burnout zu leiden eignet sich der Kontakt zu einer neutralen Fachperson (z.B. Hausarzt, Psychologe) als erste Massnahme für die Diagnose und die spätere Behandlung.
Wie verläuft ein Burnout?
Ein Burnout verläuft in der Regel in vier typischen Phasen. Leider wird ein Burnout oft erst in der vierten Phase diagnostiziert, wenn es zu einem Zusammenbruch oder Arbeitsunfähigkeit kommt. Eine regelmässige (halbjährlich, jährlich) Überprüfung der persönlichen Arbeitssituationen (durch Selbst- oder Fremdanalyse) kann helfen, ein Burnout frühzeitig zu erkennen.
Phase 1
- ungebremster Idealismus
- hohe Begeisterung für Arbeit und Arbeitgeber
- überdurchschnittlicher Einsatz zur Erledigung der Aufgaben
Phase 2
- erste Anzeichen von Erschöpfung
- Engagement für Mitarbeitenden und Aufgaben nimmt ab
- Leistungseinbrüche kommen vor, fallen aber nach aussen meist noch nicht auf
Phase 3
- Leistungsfähigkeit nimmt deutlich ab
- Leistungseinbussen fallen auch nach aussen auf
- Kreativität und Motivation gehen fast vollständig verloren
Phase 4
- stark verringerte Leistungs- und Entscheidungsfähigkeit
- Verzweiflung und Leere
- Schuldzuweisungen gegenüber anderen
- Psychosomatische Beschwerden (z.B. Schlafstörungen)
- Schwächung der Immunabwehr
- Hemmschwelle für Alkohol, Medikamenten- und Drogenmissbrauch sinkt
- Zusammenbruch / Arbeitsunfähigkeit
Wie kann ich mich vor einem Burnout schützen?
Im Unterschied zu alltäglichem Stress hilft normale Erholung bei einem Burnout in der Regel nicht, um wieder auf die Beine zu kommen.
Grundsätzlich
- Nehmen Sie sich regelmässig Zeit, um Ihre persönliche Arbeitssituation zu überprüfen.
- Versuchen Sie ein Gleichgewicht zwischen Beruf und Privatleben herzustellen, um kontinuierliche Überbelastung und Überforderung zu vermeiden.
- Nehmen Sie bewusst wahr, was Sie geschafft und erreicht haben – konzentrieren Sie sich nicht nur auf das, was es noch zu tun gäbe.
- Pflegen Sie Ihr familiäres und privates Netzwerk – auch wenn Sie viel zu tun haben.
- Halten Sie Ruhephasen ein.
Massnahmen im Vor- oder Frühstadium
- Treffen Sie konkret die Entscheidung, etwas in Ihrem Leben zu verändern.
- Sprechen Sie mit Ihrem Vorgesetzten, wenn Sie erste Anzeichen für ein Burnout bei sich entdecken.
- Machen Sie auf keinen Fall weiter wie bisher – treffen Sie Sofortmassnahmen, die Ihre Situation unmittelbar verbessern und Sie entlasten.
- Sprechen Sie mit Vertrauenspersonen (Partner, Freunde) offen.
- Schaffen Sie zusätzliche Ruhephasen.
Im fortgeschrittenen Stadium
- Suchen Sie auf jeden Fall professionelle Hilfe (Hausarzt, Psychologe, Psychiater).
Was kann ein Arbeitgeber gegen Burnout tun?
Betrieblich Prävention gegen Burnout ist möglich. Massnahmen im Unternehmen fokussieren dabei immer psychosoziale Belastungen am Arbeitsplatz. Bereits ein offener Umgang mit dem Thema schafft für Betroffene möglicherweise den Rahmen, um sich ihrer individuellen Problematik anzunehmen. Wer Burnout-Symptome erkennen und eingestehen kann, kann diese auch frühzeitig und effizient behandeln.
Arbeitszeiten und Schichtenregelungen, die genügend Raum für Partnerschaft, Familie und Freizeitaktivitäten lassen, schützen Mitarbeitende vor Burnout.
Durch angemessene Möglichkeiten zur Laufbahnentwicklung können Unter- und Überforderung verhindert werden. Eine grosse Anforderungsvielfalt und Tätigkeits- und Entscheidungsspielräume fördern die Arbeitszufriedenheit.
Besonderer wichtig, um der Entstehung eines Burnouts entgegenzuwirken, ist das Vorhanden von sozialer Unterstützung. Durch gezielte Programme kann diese auch im beruflichen Umfeld geschaffen werden und muss sich nicht nur alleine auf den privaten Raum beschränken.
Nützliche Links
Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen (FSP)
