Stress am Arbeitsplatz
Was ist arbeitsbedingter Stress?
Arbeitsbedingter Stress ist eine Reaktion auf widrige und/oder schädliche Aspekte der persönlichen Arbeitssituation (= arbeitsbedingte Stressreaktion). Dazu gehören die Organisation der Arbeit, der Inhalt der Arbeit und die Umgebung, in der die Arbeit verrichtet wird. Arbeitsbedingte Stressreaktionen passieren auf drei Ebenen: unseren Gefühlen, unserem Verhalten und unserem körperlichen Befinden (wobei nicht immer alle drei Ebenen gleichzeitig betroffen sind). So agieren wir unter Stress z.B. hektisch (Verhalten), uns packt Unbehagen (Gefühl) und unser Blutdruck steigt an (körperliches Befinden).
Arbeitsbedingter Stress betrifft nicht nur den Einzelnen. Zahlreiche Studien belegen die volkswirtschaftlichen, sozialen und gesundheitlichen Folgen von Stress, die auch für die Allgemeinheit von Bedeutung sind. So berechnete das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO die Kosten für Stress auf ca. 4,2 Milliarden Fr. oder ca. 1,2% des Bruttoninlandprodukts pro Jahr (Medizinische Kosten: 1,4 Milliarden Fr., Selbstmedikation gegen Stress: 348 Millionen Fr. und Kosten im Zusammenhang mit Fehlzeiten und Produktionsausfall: 2,4 Milliarden Fr.). Weiter gehört Stress erwiesenermassen zu den häufigsten Ursachen für Herz-/Kreislauferkrankungen.
Folgen von Stress
Stress ist vor allem dann schädlich, wenn die Stresssituation chronisch ist und keine Aussicht auf eine Veränderung der Situation besteht. Die folgende Tabelle zeigt eindrücklich, wie wir mit all unseren körperlichen und psychischen Funktionen auf Stress reagieren und welche gravierenden Folgen chronischer Stress haben kann.
- Erhöhte Herzfrequenz
- Blutdrucksteigerung
- Adrenalinausschüttung
- Organische Krankheiten
- Psychosomatische Beschwerden
- Anpassung
- Frustration
- Ärger, Gereiztheit
- Ermündungs-, Monotonie- und Sättigungsgefühle
- Organische Krankheiten
- Psychosomatische Beschwerden
- Leistungsschwankung
- Nachlassen der Konzentration
- Fehler
- Schlechte motorische Koordination
- Leistungsabbau
- Erhöhter Nikotin-, Alkohol-, Medikamenten- und Rauschgiftkonsum
- Fehlzeiten, Krankheitstage (Arbeitsausfall)
- Konflikte
- Streit
- Aggression gegen andere
- Rückzug (Isolation) innerhalb und ausserhalb der Arbeit
Stressprävention
Wirkungsvolle Stressprävention ist keine Einzelaufgabe. Nur wenn Arbeitnehmende und Arbeitgebende ihre Verantwortung gleichermassen wahrnehmen, können chronischer Stress und dessen gravierende Folgen vermieden werden.
Möglichkeiten der Stressprävention
- Abbau von Behinderungen
- Reduktion von Ungewissheit
- Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung
- Abbau von Risikoverhalten
- Entspannung
- Bewusstes Stressmanagement
- Erweiterung der Entscheidungsbefugnisse
- Mitbestimmung
- Soziale Unterstützung
- Qualifizierungsprogramme: Training der sozialen Kompetenz, Qualifizierung durch Arbeit, Schulung
Persönliches Stressmanagement
Persönliches Stressmanagement ist eine grosse Herausforderung, die nur gelingen kann, wenn Sie bereit sind, die daraus resultierenden Veränderungen auch zu akzeptieren und umzusetzen. Die folgenden Punkte können als Leitlinie dienen, Ihre persönliche Arbeitssituation zu überdenken und erste Schritte in einem persönlichen Stressmanagement-Programm zu machen.
In der Ruhe liegt die Kraft
Überprüfen Sie das Verhältnis von Arbeits- und Erholungszeit. Gönnen Sie sich echte Ruhephasen – verplanen Sie nicht Ihre komplette Freizeit. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass andere für Ihr Wohlbefinden sorgen. Wenn Sie Mühe haben, in der Freizeit von der Arbeit abzuschalten, behelfen Sie sich mit Selbstgesprächen. Kommentieren Sie das, was Sie gerade tun (verbal oder gedanklich): z.B. «Ich wasche jetzt den Salat».
Alle Zeit der Welt
Nutzen Sie Wartezeiten auf dem Bahnsteig oder am Postschalter zur Entspannung und grübeln Sie nicht darüber nach, was Sie in dieser Zeit alles hätten erledigen können. Versuchen Sie nicht ständig, alle Zeit, die Ihnen zur Verfügung steht, aufzubrauchen. Versuchen Sie gezielt, bei vorerst kleinen Aufgaben Zeit zu sparen. Setzen Sie die gewonnene Zeit für Ihre Entspannung ein. Sparen Sie nicht Zeit, um noch mehr leisten zu können.
Prioritäten richtig setzen
Das Führen von Aufgabenlisten kann helfen, Zeit richtig einzuteilen. Nehmen Sie sich aber genügend Zeit, die Liste sinnvoll einzuteilen. Unterscheiden Sie zwischen wichtigen/unwichtigen und dringenden/nicht dringenden Aufgaben. Wichtige/dringende Aufgaben werden zuerst erledigt.
Schalten Sie Störquellen aus
Muss das E-Mail Programm tatsächlich immer geöffnet, das Handy immer eingeschaltet sein? Haben Sie Mut, vorübergehend nicht erreichbar zu sein, wenn Sie sich konzentrieren müssen oder wenn Sie sich eine Erholungsphase gönnen (z.B. auch über Mittag).
Klären Sie Ihre Rolle
Denken Sie darüber nach, welche Rollen Sie wirklich ausfüllen wollen und welchen Sie nur entsprechen, weil es von Ihnen erwartet wird. Überprüfen Sie Ihren Drang, alles selber machen zu müssen.

