Experten vermuten, dass es Mobbing schon so lange gibt, wie Menschen zusammenarbeiten. Der zunehmende Leistungsdruck bei der Arbeit und die erhöhte Konkurrenz am Arbeitsplatz haben dieses Phänomen aber in den vergangenen Jahrzehnten verstärkt.
Mobbing kann als eine spezielle Form von sozialem Stress betrachtet werden. Durch Mobbing wird die Kommunikation einer bestimmten Person abgeblockt, die Zusammenarbeit mit ihr verweigert, soziale Kontakte vermieden und deren Ansehen geschädigt. Dies geschieht oft mit dem Ziel, dass sich der oder die Betroffene früher oder später zurückzieht und den Arbeitsplatz schliesslich verlässt.
Mobbing ist oft schwer nachzuweisen. Feindseligkeiten spielen sich häufig in der Grauzone zwischen erlaubten und verbotenen Handlungen ab. Häufig werden Angriffe verdeckt ausgeübt, hinter Scherzen versteckt oder mit vermeintlich objektiven Daten angereichert, die belegen sollen, dass die Feindseligkeiten gerechtfertig sind. Schwachstellen der Opfer werden ausgenutzt. Ein gleichberechtigtes Austragen des Konflikts soll durch Mobbing von Anfang an verunmöglicht werden.
Wie lässt sich Mobbing von herkömmlichen Konfliktsituationen am Arbeitsplatz abgrenzen?
Der Begriff Mobbing hat in den letzten Jahren, vor allem durch die Medien, grosse Verbreitung gefunden. Dadurch ist der Ausdruck zum Allerweltsbegriff für alle möglichen betrieblichen Konflikte und rücksichtlosen Verhaltensweisen geworden. Dadurch verliert aber der Begriff seine eigentliche Ausdruckskraft, denn nicht bei jeder Auseinandersetzung oder bei jedem Konflikt handelt es sich um Mobbing.
Der schwedische Psychologe und Psychiater Heinz Leymann hat sich über Jahre mit dem Phänomen Mobbing beschäftig und folgende Definition festgelegt: «Mobbing bezeichnet eine Reihe von negativen kommunikativen Handlungen, die über einen längeren Zeitraum von einer oder mehreren Personen gegen eine bestimmte Person gerichtet sind.»
Von Mobbing spricht man also erst, wenn immer wieder, gezielt, systematisch und rechtswidrig in die Persönlichkeitsrechte eines Menschen eingegriffen wird. Die Handlungen sind feindselig und schikanös.

Wie wird gemobbt?
Zum Mobbing gehören z.B. Verhaltensweisen wie Ausgrenzung, Bösartigkeit und Feindseligkeit, Gemeinheit, Intrige, Demütigung, Diffamierung, Drohung, Komplott, Verachtung, Nötigung, Verleumdung und weitere verletzende Handlungen.
In einem Anfang der 90er-Jahre ausgearbeiteten Katalog werden 45 Mobbing-Handlungen definiert, die in fünf verschiedene Gruppen eingeteilt werden können:
- Angriffe auf die Möglichkeit, sich mitzuteilen, z.B. ständiges Unterbrechen im Gespräch, Einschränkungen zur Äusserung der persönlichen Meinung
- Angriffe auf die sozialen Beziehungen, z.B. die Versetzung in einem Raum weit ab von Kolleginnen und Kollegen
- Angriffe auf das soziale Ansehen, z.B. Verbreitung von Gerüchten, Imitation von Gang, Stimme oder Gesten
- Angriffe auf die Qualität der Berufs- und Lebenssituation, z.B. Zuteilung von sinnlosen Aufgaben, gezielte Unterforderung
- Angriffe auf die Gesundheit, z.B. Androhung körperlicher Gewalt, sexuelle Handgreiflichkeiten
Wie entsteht Mobbing?
Auch wenn bei Mobbing durch eine Person oder eine Gruppe gezielt einer bestimmten Person Schaden zugefügt wird, zieht auch der Mobber selten Gewinn aus seinen Handlungen. Das Ziel ist längst nicht mehr die Lösung eines Konflikts, die Auseinandersetzung wird nur noch um ihrer selbst willen geführt.
Im Rahmen der Forschung wurde bestimmte Konfliktsituationen definiert, die häufig eskalieren und zu Mobbing führen können:
- Beziehungskonflikte, z.B. durch unterschiedliche Wertvorstellungen
- Verteilungskonflikte, z.B. durch ungerechte Verteilung von Lohn und Anerkennung
- Rollenkonflikte, z.B. bei Neukonstellation von Arbeitsteams
- Geschlechterkonflikte, z.B. durch Diskriminierung
- Zielkonflikte, z.B. durch unterschiedliche Motivationen
- Beurteilungs- und Wahrnehmungskonflikte, z.B. durch unterschiedliche Bewertung von Handlungen
Wer mobbt und wer wird gemobbt?
Grundsätzlich werden drei Formen von Mobbing unterschieden:
- Mobbing von oben nach unten
Zu Tätern werden vor allem Personen, die sich in ihrer Position oder ihrem Ansehen bedroht fühlen. Es sind Fälle bekannt, in denen Mobbing als strategisches Instrument zum Personalabbau genutzt oder zumindest toliert wurde. - Mobbing auf derselben Hierarchiestufe
Oft trifft Mobbing ein sozial schwächeres oder andersartiges Mitglied. Unterstützung durch freundlich gesinnte Kolleginnen und Kollegen wird häufig bestraft, in dem auch der Helfer angegriffen wird. - Mobbing von unten nach oben
Das ablehnende Verhalten richtet sich immer persönlich und direkt gegen den Vorgesetzten, nicht den eigentlichen Arbeitgeber. Oft wird Mobbing als Protest gegen die Ernennung eines bestimmten Vorgesetzten eingesetzt.
Frauen und Männer sind gleichermassen von Mobbing betroffen. Allerdings zeigen sich bei genauerer Betrachtung geschlechterspezifische Unterschiede in Motiven und Ausprägung des Mobbings:
- Frauen werden etwas häufiger von anderen Frauen als von Männern gemobbt.
- Männer werden fast ausschliesslich von Männern gemobbt.
- Frauen auf traditionell von Männern besetzten Positionen und Männer in so genannten Frauenberufen sind besonders betroffen.
Auch in den eigentlichen Mobbing-Handlungen unterscheiden sich Frauen und Männer:
Frauen
- Schlecht über jemanden sprechen
- Jemanden vor anderen lächerlich machen
- Gerüchte verbreiten
- Jemandem kein Gehör geben
- Sich über eine Behinderung lustig machen
- Andeutungen machen, ohne etwas genau zu benennen
- Ständige Kritik üben
Männer
- Jemand zur Strafe ständig zu neuen Arbeiten einteilen
- Durch mündliche Drohungen Druck ausüben
- Nicht mehr mit jemandem sprechen
- Persönliche Einstellungen angreifen
- Jemanden isolieren
- Ständig unterbrechen
- Zu Arbeiten zwingen, die das Selbstwertgefühl verletzen.
Werde ich gemobbt?
Trotz der grossen emotionalen Belastung sollten Sie versuchen, eine allfällige Mobbing-Situation möglichst objektiv zu analysieren. Im Idealfall tun Sie dies nicht am Arbeitsplatz sondern z.B. im Rahmen eines Urlaubstages, im Urlaub oder am Wochenende. Die folgenden Fragen können Ihnen dabei helfen und Ihnen auch als Gesprächsleitfaden beim Kontakt mit internen oder externen Anlaufstellen dienen.
- Was ist genau geschehen und was geschieht zur Zeit?
- Lassen Sie die erlebten Handlungen in eine der fünf Gruppen von Mobbing-Handlungen einordnen?
- Was sind Indizien dafür, dass die Handlungen nicht vorübergehend oder zufällig sind?
- Welche psychischen und physischen Verletzungen haben Sie bisher hinnehmen müssen?
- Was passiert, wenn der Prozess einfach weiterläuft?
- Welche Gefühle habe ich gegenüber den Ausführenden der Handlung?
- Welche Gefühle haben die Ausführenden wohl gegenüber mir?
- Welche Motive vermute ich für die Handlungen?
- Können Sie einen konkreten Anlass für die Handlungen benennen?
- Wer sind die Hauptverantwortlichen?
- Wer sind die Mitläufer?
- Sind Sie wirklich persönlich gemeint oder geht es darum einen Sündenbock zu finden?
- Welche Massnahmen haben Sie bereits gegen die Handlungen ergriffen? Welche waren wirkungsvoll, welche nicht?
- Von wem können Sie Unterstützung erwarten?
- Was brauchen Sie, um das Problem lösen zu können?
- Sind Sie bereit aufzugeben?
- Wie müsste die Situation sein, damit Sie sich wieder wohl fühlen? Wie realistisch sind diese Veränderungen?
Nehmen Sie Ihr Problem ernst und behandeln Sie es aktiv und dringlich. Passivität führt Sie möglicherweise nur noch tiefer in die Opferrolle. Warten Sie nicht, bis die Situation nicht mehr auszuhalten ist.
Was kann ich tun, wenn ich gemobbt werde?
Selbsthilfe
- Machen Sie die bisher verborgenen Angriffe auf Sie öffentlich.
- Kämpfen Sie durch persönliche Öffentlichkeitsarbeit gegen die stillschweigende Duldung des Mobbings durch Unbeteiligte an.
- Machen Sie deutlich, dass Sie über die straf-, zivil- und arbeitsrechtlichen Möglichkeiten zur Mobbing-Bekämpfung informiert sind, und kündigen Sie deren Durchführung glaubhaft an.
Interne Hilfe
- Sprechen Sie mit Ihrem Vorgesetzten, wenn Sie auf derselben Hierarchiestufe gemobbt werden.
- Wenden Sie sich an die nächsthöhere Hierarchiestufe, wenn Sie sich von Ihrem Vorgesetzten gemobbt fühlen.
- Suchen Sie den Kontakt zur Personalabteilung oder zu einem Mitarbeiter-Ausschuss.
Externe Hilfe
- Wenden Sie sich an Ihre Gewerkschaft oder an eine unabhängige Mobbing-Beratungsstelle.
- Ziehen Sie im Bedarfsfall einen Anwalt hinzu.
Nützliche Links
Führende Mobbing Beratungsstelle in der Deutschschweiz
Vermittlung von Mobbing-Anlauf- und Beratungsstellen in der ganzen Schweiz
